Und dann ist er doch ganz schnell da – der Moment vor dem wir uns alle so fürchten.

Nach 22 gemeinsamen Jahren musste ich mich damit abfinden, daß meine geliebte Feine Lady auf die große Wiese gegangen ist. Ich bin so dankbar, daß ich sie solange haben durfte. Das war nicht selbstverständlich, das war auch Kampf. Als Saugfohlen bei Fuß gewann sie schon die Fohlenschau in Ankum – für Hannoveraner die erste Adresse. Dann kam sie mit sechs Monaten in Begleitung einer kleinen Fohlenherde zu uns – unter anderem war da auch Feiner Herr dabei. Schon da begann unsere tiefe Beziehung. Als in der Truppe dann die Junghengst “lustige” Gedanken bekamen, wurden sie kastriert und dann getrennt gehalten. Nach vier Wochen durften dann alle gemeinsam wieder auf die Weide, wer konnte ahnen das da bei Feiner Herr noch ein Restchen gespeichert war. Und dann kam es wie es kommen musste, Feine Lady bekam mit zwei Jahren ein Stutfohlen – Feines Mädel. Freilaufend auf der Weide am 01.05.1997 – ich war gerade bei meinem Anhänger am Sattelzeug putzen, da ein Berufsreiterlehrgang in WAF stattfand – zog die Herde an mir vorbei – aber ohne Feine Lady. Also ging ich mal schauen wo sie ist. Handy natürlich nah bei der Sattelseife. Und siehe da, sie lag da und die Fruchtblase kam. Und dann das Näschen vom Fohlen – aber nicht den normalen Weg sondern durch den Darmausgang. Schnell hin und in einer Wehenpause Nase zurückschieben und weiter abwarten. Schnell noch das Handy holen ? Nein – kostet zuviel Zeit. Der Fohlenkopf kam normal – doch dann der erste Huf auch durch den Darmausgang – wieder hin – zurückschieben – Hand draufhalten und alles lief normal weiter. Ab in die Klinik – es waren aber nur zwei Zentimeter im Darm gerissen – Aussage von Dr. Niederhofer: Wenn da keiner zufällig (gibt es Zufälle ?) dabei gewesen wäre, hätte Feine Lady das nicht überlebt, da dann der Damm durchgerissen wäre. Das hat uns beide noch enger zusammengeschweißt, ich bin mir sicher, das Feine Lady dies gewußt hat. Später dann hat Marlies Göken sie angeritten, konnte aber durch eine Schulterverletzung nicht weiterreiten, und da ich ein Zeitproblem hatte, gaben wir Feine Lady zu Stefan Kiesewetter zur weiteren Ausbildung. Er stellte sie auch bei der Stutenleistungspüfung in Ankum vor, wo sie prompt eine 9,0 im Fremdreitertest erhielt. Danach hatte sie einen Unfall (alleine auf der Weide gelassen sprang sie über das Tor mit 1,70 Höhe, was natürlich misslang.) Es war nicht abzusehen, daß sie sich davon wieder erholen sollte. Wir haben aber auch das geschafft. Dann übernahm ich die weitere Ausbildung. Bei zahlreichen Lehrgängen in WAF unter Anke Frömming und Hannes Müller entwickelte sie sich zu einem tollen Dressurpferd. Bekannt als Wechselhexe (was sie bei jeder Gelegenheit ausnutzte) und superelastisch beim Piaffieren war es eine wahre Freude sie zu reiten. Dann kam mein schwerer Unfall, der meine Zukunft als Reiter kaputt machte. Und natürlich sollte sie dann verkauft werden, war ja ein gut gerittenes Pferd mit besten Anlagen – aber…….mir wäre das Herz zerbrochen – den Kampf haben wir dann doch gewonnen. So hat sie vielen Schülern Freude gemacht, beim Springen durfte man aber nie schnalzen, sonst sprang sie doppelt so hoch, wie der Sprung war. Und von jeher war sie unsere Herdenchefin, die auf alle akribisch aufgepasst hat. Kein Pferd durfte etwas tun ohne ihre Genehmigung – bei im Schnitt 26 Pferden auf der Weide auch schon eine verantwortungsvolle Aufgabe. Die letzen zwei Jahre hat sie mit Birgit und Franca sehr genossen, die beiden haben sich auch wirklich bestens um sie gekümmert und hatten noch viel Spaß beim Reiten. Dann machte eine Herzerkrankung das Reiten nicht mehr möglich und sie ging in Rente. So hatte sie noch die Herde zum Aufpassen und ging auch voll in dieser Aufgabe auf. Leider kamen dann jetzt die heftigen Wetterumschwünge und das Herz hat es nicht geschafft Lymphschwellungen abzubauen. So blieb dann nur noch Weg sie zu erlösen.

Jetzt hab ich mir alles von der Seele geschrieben, mit Tränen in den Augen und in tiefster Dankbarkeit für die wunderschöne gemeinsame Zeit.